{"id":141,"date":"2018-11-03T14:44:15","date_gmt":"2018-11-03T14:44:15","guid":{"rendered":"http:\/\/daemoniccoder.de\/?p=141"},"modified":"2019-01-23T09:12:46","modified_gmt":"2019-01-23T09:12:46","slug":"gefangen-im-zielsystem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/daemoniccoder.de\/?p=141","title":{"rendered":"Gefangen im Zielsystem"},"content":{"rendered":"<p>Zielsysteme sind ein wichtiger Bestandteil in der Steuerung fast aller gr\u00f6\u00dferer Unternehmen. Manchmal ganz &#8222;klassisch&#8220; mit vorgegebene Zahlen-Zielen, an denen noch irgendein Bonus h\u00e4ngt, manchmal etwas &#8222;moderner&#8220; in der Form von OKRs.<\/p>\n<p>Viele dieser Systeme sind meiner Meinung nach allerdings kaputt; sie sind in der Realit\u00e4t nicht so brauchbar, wie es die Theorie erstmal vermuten l\u00e4sst. Darauf m\u00f6chte ich in ein paar Artikeln hier eingehen, vorher m\u00f6chte ich jedoch etwas Theorie stellen, da diese das meiner Meinung nach g\u00e4ngigste Problem von Zielsystemen erkl\u00e4ren kann: das Gefangenendilemma.<\/p>\n<p>Das Gefangenendilemma kennt vielleicht der ein oder andere aus der Spieltheorie. Die Geschichte in dem Modell funktioniert in etwa so:<\/p>\n<p>Zwei Personen, die gemeinsam ein schweres Verbrechen ver\u00fcbt haben, werden verhaftet und einzeln verh\u00f6rt. Das schwere Verbrechen kann leider nicht zweifelsfrei bewiesen werden, wohl aber ein kleineres Verbrechen. Daher bietet der Staatsanwalt folgenden Deal an: Wenn Du gestehst, Dein Kollege aber nicht, so wirst Du als Kronzeuge frei kommen und der andere kommt f\u00fcr 20 Jahre ins Gef\u00e4ngnis. Gesteht ihr beide, kommt ihr beide f\u00fcr jeweils 15 Jahre in den Knast. Gesteht keiner von euch, so kommt ihr zumindest wegen des kleineren Vergehens f\u00fcr jeweils 5 Jahre ins Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Der rationale Verbrecher denkt nun so: Wenn mein Kumpel nicht gesteht und ich auch nicht, so muss ich f\u00fcr 5 Jahre ins Gef\u00e4ngnis. Wenn ich gestehe, dann gar nicht. Also w\u00e4re es in diesem Fall besser f\u00fcr mich, wenn ich gestehe. Wenn mein Kumpel uns aber verpfeift und ich nicht, so muss ich f\u00fcr 20 Jahre ins Gef\u00e4ngnis, es sei denn, ich gestehe auch, dann sind es nur 15. Also w\u00e4re es auch in diesem Fall besser, zu gestehen. In beiden F\u00e4llen w\u00e4re es also die rationale Entscheidung jedes Einzelnen, das Verbrechen zuzugeben. Am Ende werden also beide gegen den anderen Aussagen, womit insgesamt 30 Gef\u00e4ngnisjahre (15 f\u00fcr jeden) f\u00e4llig werden.<\/p>\n<p>Die optimale L\u00f6sung aus der Gesamtsicht (zumindest aus der Gesamtsicht eines Verbrecherkonsortiums) w\u00e4re es nat\u00fcrlich, wenn beide schweigen, da dann insgesamt nur 10 Jahre Gef\u00e4ngnis drohen. (Gesteht einer, so sind 20 Gef\u00e4ngnisjahre abzugelten, was auch schlechter ist.) Allerdings ist rein aus der Spieltheoretischen Sicht das Ergebnis &#8222;beide halten dicht&#8220; nicht erreichbar, da es f\u00fcr den Einzelnen IMMER besser w\u00e4re, den anderen zu verraten.<\/p>\n<p>Verallgemeinert man diese Geschichte, so sprechen wir davon, dass die beiden Verbrecher die &#8222;Spieler&#8220; in diesem Spiel sind, wenn der Eine gegen den Anderes aussagt, so defektiert er. (Das ist das Gegenteil von Kooperation. Nat\u00fcrlich kooperiert der Verbrecher mit der Staatsanwaltschaft, aber hier geht es um die Kooperation der Spieler untereinander.)<\/p>\n<p>Zusammengefasst: In einer Situation wie in einem Gefangenendilemma ist es f\u00fcr die Spieler immer rational zu defektieren. Das ist das sogenannte &#8222;Nash-Gleichgewicht&#8220;, das hei\u00dft, kein Spieler kann durch einseitige Abweichung seines Verhaltens (also Kooperation) sein Ergebnis verbessern. Im Gefangenendilemma ist das Nash-Gleichgewicht allerdings keine Pareto-optimale L\u00f6sung. Pareto-optimal w\u00e4re die L\u00f6sung dann, wenn aus Gesamtsicht das Ergebnis nicht verbessert werden k\u00f6nnte. Im Gefangenendilemma ist das grundlegende Problem, dass die Pareto-optimale L\u00f6sung eben kein Nash-Gleichgewicht ist und somit nicht erreicht werden kann.<\/p>\n<p>Tiefer m\u00f6chte ich auf das Gefangenendilemma an dieser Stelle gar nicht eingehen, es gibt au\u00dferdem Seiten, die das Thema umf\u00e4nglicher und besser darstellen. (Zum Beispiel <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Gefangenendilemma\">hier<\/a> oder <a href=\"http:\/\/scienceblogs.de\/zoonpolitikon\/2008\/04\/22\/spieltheorie-einfach-erklart-i-einleitung-und-gefangenendilemma\/\">hier<\/a>.) Insbesondere wird es interessant, wenn man das Modell auf mehr als 2 Spieler (n-Personen) ausdehnt oder sogar wiederholt (das iterierte Gefangenendilemma).<\/p>\n<p>Allerdings m\u00f6chte ich an dieser Stelle schon eine Feststellung in den Raum werfen, meiner Meinung nach das Grundproblem aller Zielsysteme:<\/p>\n<p><strong>Jedes hinreichend komplexe Zielsystem eines Unternehmens stellt ein n-Personen-Gefangenendilemma dar, wodurch die Kooperation der Bereiche effektiv verhindert wird.<\/strong><\/p>\n\n<div style=\"font-size: 0px; height: 0px; line-height: 0px; margin: 0; padding: 0; clear: both;\"><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsysteme sind ein wichtiger Bestandteil in der Steuerung fast aller gr\u00f6\u00dferer Unternehmen. Manchmal ganz &#8222;klassisch&#8220; mit vorgegebene Zahlen-Zielen, an denen noch irgendein Bonus h\u00e4ngt, manchmal etwas &#8222;moderner&#8220; in der Form von OKRs. 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