Agile Unternehmen

Das „Agile Unternehmen“ ist mittlerweile in mehr und mehr, auch größeren Konzernen, ein Ziel. Eines wird dabei aber oft missverstanden: Ein Agiles Unternehmen bedeutet nicht, dass überall (beispielsweise) Scrum gemacht werden muss. Agilität auf Unternehmensebene heißt, dass sich das Unternehmen den Kundenwünschen anpassen kann, so dass die Mitarbeiter, die mit dem Kunden zu tun haben, wichtige Entscheidungen treffen können.

Eine der Entscheidungen kann auch sein, dass mit dem Kunden ein „klassisches“ Projekt durchgeführt wird, mit Projektleiter, Lasten- und Pflichtenheft und allem, was sonst moch dazu gehören mag. Sicher, eventuell kann man den Kunden dahin beraten, dass ein anderes Vorgehen sinnvoller sein mag, doch wenn man auf den „einzig richtigen Weg“ besteht, so zeigt sich das Unternehmen alles andere als beweglich, also agil.

Dem Widerspricht nicht, dass man auch in klassischen Projekten die Agilen Prinzipien leben kann. Qualität, Kollaboration und Offenheit sind auch im „Wasserfall“ immer angebracht.
Ab einer gewissen Größe scheint es für Unternehmen allerdings immer schwieriger it der Beweglichkeit zu werden. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter denkt „ich weiß was der Kunde will, aber das können wir nicht machen“. Allerdings nicht, weil das für das Unternehmen zu schwierig sei, sondern weil man weiß, dass es nicht abrechenbar ist, weil das die SAP-Warengruppen nicht vorsehen, weil das im Standardkatalog für Softwarekomponenten nicht vorkommt oder aus welchen Gründen auch sonst.

An dieser Stelle muss ein Unternehmen meiner Meinung nach arbeiten, um „agil“ zu werden. Man muss die Teams, die direkt mit dem Kunden interagieren, in die Lage versetzen, Entscheidungen treffen zu können, die dem Kundennutzen zu Gute kommen – und das ist viel seltener die Auswahl zwischen 3 Standard-Architekturen, als manch ein Enterprise Architect sich erhofft. Ein agiles Unternehmen ist eines, das Entscheidungen möglichst weit dezentralisiert, um gegenüber dem Kunden beweglich auftreten zu können.

Goldener Käfig Standardcomputer

Stell Dir vor, es kommt ein Handwerker bei Dir vorbei um beispielsweise das Bad zu renovieren. Am Eingang begrüßt Du ihn freundlich und sagst dann: Wir haben hier überigens Standard-Werkzeug. Sein eigenes Werkzeuig soll er also liegen lassen, statt dessen gibst Du ihm einen anderen Werkzeugkasten. Mit Hammer, Schraubenziehen und allem, was dazu gehört.

Ein guter Handwerker würde wohl auf der Stelle kehrt machen, bei Softwareentwicklern ist das aber aus irgend einem Grund gang und gäbe. Okay, nun verlange ich nicht, dass jede Softwarefirma sagt, dass der Entwickler seinen eigenen Computer verwenden soll; aber das Standard-Werkzeug, dass es oft gibt, ist ebenso oft eine Unverschämtheit gegenüber den Mitarbeitern.

Klar, wenn man in einem Projekt zusammen arbeitet, so sollte man sich auf ein gemeinsames „Toolset“ in dem Sinne verständigen, dass nicht ein paar Entwickler GIT nutzen während andere auf SVN schwören. Aber sollte wirklich die Entscheidung „VI(M) vs Emacs“ auf Unternehmensebene getroffen werden? Daher meine Bitte an alle Unternehmen: Gebt euren Entwicklern das Recht, auf ihren Rechnern Software zu installieren. Egal, was ihr tolles „standardmäßig“ mitgebt. Die Arbeitsumgebung sollte kein goldener Käfig sein!

Ja, es gibt Bedenken, die man ernst nehmen sollte. Vom Installieren von illegaler Software bis hin zu Sicherheitslücken. Aber findet dafür bitte andere Wege. Oder noch besser: Stellt Mitarbeiter ein, denen ihr zumindest im Prinzip zutraut, dass sie ihren Job machen und zumindest nicht böswillig sein werden.

Schwarze Magie bei HR

In zahlreichen Seminaren, sei es zum Verkauf, Beratung, Management – immer wieder werden sie ausgepackt, die Menschenbild-Modelle. Insbesondere in einem „Führungs-Seminar“ bin ich da kürzlich wieder drauf gestoßen.

Sei es DISG, MBTI, was-auch-immer, alle Modelle haben gemeinsam, dass sie versuchen, Menschen in „Farben“, „Typen“, oder, wenn man beim Urvater dieser Modelle bleiben möchte, „Archetypen“ einzuteilen.

Ich erinnere mich an meinen ersten Kontakt mit solchen Modellen: Ich war etwa 16 und machte an der VHS eines kleinen Städtchens einen Rhetorik-Kurs. Der Trainer packte dort den MBTI aus und ließ uns einen Kurztest machen, danach bekamen wir alle, entsprechend unseres Typs, ein Blatt, auf dem Stand,was für ein „Typ“ wir sind. Ich war damals sehr erstaunt, fand ich mich doch in der Beschreibung recht gut wieder. Pronpt kaufte ich mir damals ein Buch zu dem Thema und jeder in meinem Umfeld, der nicht schnell genug davon lief, bekam auch so eine Typisierung und ich las aus dem Buch die entsprechende Seite mit der Persönlichkeitsbeschreibung vor. Immer schien es gut zu passen. Einmal wollte ich einen guten Freund etwas ärgern und las ihm genau „das Gegetnteil“ dessen vor, was sein Typ laut Test hätte sein sollen. Er fand sich darin recht gut wieder. Die nächsten Versuche waren dann, dass ich bei ein paar weiteren Bekannten eine zufällige Auswertung vorlas, die sich auch ganz zufrieden in der Beschreibung wieder fanden.
Sicherlich war das keine wissenschaftlich fundierte Kontrollgruppe, aber das Ergebnis ernüchterte mich damals ziemlich. Leider gab es noch kein Internet, so dass ich damals noch nicht herausfand, was Barnum-Aussagen sind, sonst wäre mir das Phänomen erklärbarer gewesen.

Kurz gesagt, dieser Test ist ziemlicher Humbug. Die anderen, wie bspw. DISG, sind auch nicht viel besser. Alle haben das Problem, dass damit Menschen zu sehr in Schubladen einsotriert werden. Vielleicht mag das Model dem ein oder anderen dabei helfen, zu verstehen, dass nicht alle Menschen gleich ticken – aber um ehrlich zu sein, wer das bei einem Führungsseminar vermittelt bekommen muss, der war vielleicht ohnehin schon der Falsche für eine Führungsrolle!